Vita

1986. Mein Geburtsjahr. Die Wälder glühen und Weißenfels schläft unter einer Kohledecke. Ich wachse in eine kleine Familie hinein, die in einem viel zu großen Haus wohnt. Eines Tages platzt das Dach ab. In der Schule fülle ich Zettel aus und schreibe Geschichten. Meine Hände suchen derweil nach schwarz-weißen Tasten und finden diese im Backsteinhaus meiner Großmutter. Ich schließe die Musik in mein Herz. Derbe Winter und beschwingte Sommer folgen. Mit einundzwanzig ruft mich die Ferne und ich lasse mich bereitwillig von ihr entführen. Ich bewundere die Welt von unten und bereise eines ihrer Enden. In Neuseeland und Südamerika dringt der ungefilterte Klang der Natur, anderer Kulturen und Sprachen in mich ein und von da an bewundere ich im Stillen das große Ganze. Es folgt das Studium der Regie in England und das Studium der Eigensabotage in Holland. Am Institut für Kosmologie in Sankt Petersburg arbeite ich an der Entgrenzung der Sinne und besuche Vorlesungen für Mystik. Es gelingt uns ein Neutrino einzufangen, aber es will uns nichts über sich erzählen. Eine Weile helfe ich anderen Leuten dabei, Filme zu zerschneiden und wieder zusammenzufügen. Es wird ernst mit dem Schreiben. Sehr ernst. Zurück in Deutschland versuche ich mich als produktiver Teil der Gesellschaft zu integrieren, aber die Gesellschaft hat kein Interesse. Um sie und mich zu verärgern, studiere ich Wirtschaft und mir erschließt sich eine weitere neue Sichtweise auf diese Welt. Hin und wieder laufe ich Gefahr erwachsen zu werden, aber bisher habe ich jedes Mal den Absprung geschafft.